Kariesprophylaxe

Kariesprophylaxe

Prophylaxe zu Hause

Mundhygiene

Zähneputzen

Die Kariesprophylaxe fängt bei Kindern und Säuglingen schon im Mutterleib an. Daher sollte schon in der Schwangerschaft ein Zahnarzt aufgesucht werden, um die werdende Mutter über Mundhygiene und Ernährung aufklären zu können. Bakterien in der Mundhöhle der Eltern werden schnell durch Küsse oder abgelutschte Löffel auf den Säugling übertragen.

Das Zähneputzen selber sollte bereits ab dem ersten Zähnchen erfolgen. Ein wichtiger Punkt in der Kariesprophylaxe stellt hierbei die Verwendung von fluoridierter Kinderzahnpasta dar.

Aus zahnärztlicher Sicht sollte ab dem ersten Zahn bis zum zweiten Geburtstag des Kindes einmal täglich mit einer Kinderzahnpasta mit 500 ppm Fluorid die Zähne geputzt werden. Die Menge der Zahnpasta ist dabei erbsengroß. Zusätzlich kann fluoridiertes Speisesalz mit Beginn der festen Kost verwendet werden, wobei aus ernährungsphysiologischer Sicht Speisesalz bei Kindern nur sehr zurückhaltend verwendet werden sollte.

Sollte Ihr Kind vom Kinderarzt ein Kombinationspräparat von Vitamin D mit Fluorid verschrieben worden sein, sprechen Sie uns bitte an, da in diesem Fall keine fluoridierte Kinderzahnpasta verwendet werden sollte.

Ab dem zweiten Geburtstag

bis zum Durchbruch des ersten bleibenden Zahnes sollten die Zähne Ihres Kindes zweimal täglich morgens und abends mit fluoridierter Kinderzahnpasta (500 ppm Fluorid) geputzt und keine Fluoridtabletten verwendet werden.

Die Einnahme von Fluoridtabletten ist bei gesunden Kindern aus rein zahnärztlicher nicht mehr notwendig. Daher sollte diese nur nach Absprache mit ihrem Kinderarzt oder Zahnarzt erfolgen. Nach aktuellem wissenschaftlichem Stand ist der lokalen Anwendung von Fluoriden (wie beim Zähneputzen) im Gegensatz zur systemischen Anwendung (Fluoridtabletten) der Vorrang zu geben.

Das Zähneputzen sollte, bis Ihr Kind flüssig Schreibschrift schreiben kann (mindestens bis zum 8. Geburtstag), immer von einem Erwachsenen erfolgen. Ihr Kind darf aber gerne vorab oder hinterher noch einmal selber putzen. Achten Sie beim Putzen darauf, dass jeder Zahn von jeder Seite gereinigt wird. Richten Sie sich beim Putzen am besten nach der KAI-Technik. Dies deutet, dass erst die Kauflächen (K), dann die Außenflächen (A) und danach die Innenflächen (I) gereinigt werden. So haben sie gleich eine Systematik und es werden keine Flächen vergessen.

Es wird immer mal wieder Phasen geben, in denen ihr Kind keine Lust hat und sich gegen das Putzen auflehnt. Verlieren Sie dann nicht den Mut und bleiben Sie bei Ihrem routinierten Ablauf. Ihr Kind gewöhnt sich schnell an einen geregelten Tagesablauf, zu dem auch das zweimalige Zähneputzen gehört. In der Anfangszeit ist es ggf. leichter langsam und mit kleinen Schritten anzufangen. Lassen Sie Ihrem Kind die Zeit sich an die neue Situation zu gewöhnen, aber geben Sie Ihm auch die Chance dazu. Dies bedeutet, ab dem ersten Zähnchen konsequent jeden Tag die Zähne zu reinigen und dabei die aktive Putzzeit immer weiter auszudehnen. Auf diese Weise wird das Zähneputzen zu einem Element des zu-Bett-gehen-Rituals und gehört wie bspw. Eine Geschichte oder gemeinsames Singen ganz selbstverständlich dazu.

Ab dem ersten bleibenden Zahn

sollte auf eine Junior- oder Erwachsenenzahnpasta umgestellt werden, deren Fluoridgehalt bei ca. 1400 ppm liegt. Die Zähne sollten mindestens zwei, besser dreimal, am Tag gereinigt werden.

Hilfreich beim Putzen kann eine elektrische Zahnbürste sein. Dies sollte am besten mit einem Zahnarzt besprochen werden, der Ihnen Tipps zur Anwendung und zu den verschiedenen Modellen geben kann.

Auch bei Kindern sollte bei engstehenden Zähnen bereits Zahnseide verwendet werden (meist bereits schon ab dem 3. Geburtstag!). Dies sollte einmal täglich am besten abends vor dem Zubettgehen erfolgen. Auch hierbei geben wir Ihnen gerne Tipps zur Handhabung.

Ältere Kinder können auch zwischen den Mahlzeiten xylithaltige Zahnpflegekaugummis verwenden.

Fluoridierung

Viel diskutiert, insbesondere auch in den Medien, wird die Anwendung von fluoridhaltigen Produkten bei Kindern, aber auch bei Erwachsenen. Hierbei kommen häufig Zweifel auf und Ängste werden geschürt. Fluorid ist die ionisierte Form von dem Element Fluor und verbindet sich schnell mit anderen Stoffen, so z.B. mit Natrium oder Zinn. Fluor und Fluorid werden häufig in der Umgangssprache verwechselt und daher werden z. T. die hochgiftigen Eigenschaften von Fluor auf Fluorid übertragen.

Wenn Zahnschmelz durch Zucker oder Säuren angegriffen wird, lösen sich anorganische Stoffe heraus und der Zahnschmelz wird poröser und ein idealer Angriffspunkt für Bakterien – Karies kann entstehen. Fluoride helfen den Zahnschmelz, sich wieder aufzubauen und können für eine Remineralisierung durch Einbau von Kalziumphosphat ins Kristallgitter des Zahnschmelzes sorgen. Auch kann das Fluorid selber in den Zahn eingebaut werden und sorgt dadurch für eine noch schnellere Remineralisierung bei einem Säure- oder Zuckerangriff. Selbst bei einer unzureichenden Mundhygiene können Fluoride in den Zahnbelag (Plaque) eingelagert werden und dienen dadurch als Reservoir. Auch Bakterien können durch Fluoridaufnahme in ihrem Stoffwechsel gestört werden.

Daher sind Fluoride aus der Kariesprophylaxe neben dem regelmäßigen Zähneputzen und einer zahnfreundlichen Mundhygiene nicht mehr wegzudenken.

Wichtig bei der Verwendung von Fluoriden ist aber eine altersentsprechende Dosierung. Eine Überdosierung sollte in jeden Fall vermieden werden.

  • Bis zum zweiten Geburtstag gilt:
    Es sollten einmal täglich mit einer fluoridierten Kinderzahnpasta mit 500 ppm Fluorid die Zähnchen geputzt werden. Die Menge der Zahnpasta sollte dabei erbsengroß sein. Zusätzlich kann fluoridiertes Speisesalz (zurückhaltend) verwendet werden.
  • Ab dem zweiten Geburtstag bis zum ersten bleibenden Zahn:
    Nun sollten die Zähne zweimal täglich mit einer fluoridierten Kinderzahnpasta (500 ppm Fluorid) gereinigt werden. Fluoridiertes Speisesalz kann zudem verwendet werden. Das Zähneputzen sollte immer durch einen Erwachsenen erfolgen.
  • Ab dem ersten bleibenden Zahn:
    Ab diesem Zeitpunkt kann 2- bis 3-mal täglich eine fluoridierte Junior- oder Erwachsenenzahnpasta (1000 – 1500 ppm Fluorid) verwendet werden. Zusätzlich kann fluoridiertes Speisesalz (zurückhaltend) beim Kochen benutzt werden.

Fluoridgele, die meist einmal in der Woche aufgetragen werden und die es rezeptfrei in der Apotheke gibt, dürfen erst ab Durchbruch des ersten bleibenden Zahnes und frühestens ab dem 6. Geburtstag zuhause eigenständig verwendet werden. Sie sollten dies jedoch immer vorab mit einem Zahnarzt besprechen, da er Ihnen die Anwendung noch einmal genau erläutern kann und sieht, ob dies bei ihrem Kind empfehlenswert ist. Ihr Kind sollte auf jeden Fall bereits sicher Ausspucken können.

Höher dosierte Fluoridlacke dürfen nur in einer Zahnarztpraxis verwendet werden. Die Dosierung und Häufigkeit entscheidet dabei ihr Zahnarzt.

Fluoridtabletten sind aus zahnärztlicher Sicht bei gesunden Kindern und Erwachsenen nicht notwendig, da Fluoride in erster Linie lokal an den Zähnen wirken. Dies bedeutet, dass sie direkt mit der Zahnoberfläche in Kontakt kommen müssen, um ihre karieshemmende Wirkung ausüben zu können.

Häufig werden jedoch Kombipräparate mit Vitamin D von den Kinderzahnärzten verschrieben. Sollte dies bei Ihrem Kind der Fall sein, so setzen Sie bitte diese nicht eigenständig ab, sondern besprechen Sie dies gerne mit uns oder dem behandelnden Kinderarzt.

Ernährung

Die dritte Säule neben dem Zähneputzen und der Verwendung von fluoridhaltiger Zahnpasta stellt in der häuslichen Kariesprophylaxe die Ernährung dar.

Zucker (insbesondere Saccharose) und säurehaltige Produkte greifen den Zahnschmelz an und führen bei häufiger Einwirkung zu Karies und anderen Zahnschäden wie Erosionen.

Daher sollten neben den drei Hauptmahlzeiten (morgens, mittags, abends) die Zwischenmahlzeiten stark reduziert sein. Denn es kommt nicht auf die Menge von zuckerhaltigen oder sauren Produkten an, sondern auf die Dauer und Häufigkeit, die sie auf den Zähnen verweilen können. Auch Getränke, mit Ausnahme von Wasser, zählen hierbei aus zahnärztlicher Sicht zu einer Zwischenmahlzeit, denn viele Erfrischungsgetränke und alle Säfte und Schorlen (auch mit viel Wasser gemischt) enthalten Zucker (Saccharose), Fruchtzucker (Fructose), kariogene Zuckeraustauschstoffe oder haben einen sehr niedrigen ph-Wert, der den Zähnen schadet. Selbst in Milchprodukten ist ein Milchzucker (Lactose) enthalten, der zu Karies führen kann.

Da somit fast alle Nahrungsprodukte kariogen sind oder Zahnschäden wie Erosionen verursachen können, aber insbesondere in Obst auch viele lebensnotwendige Vitamine vorhanden sind, kommt es bei einer zahnfreundlichen Ernährung darauf an, die Zwischenmahlzeiten zu reduzieren und ihr Kind bereits nach dem Abstillen daran zu gewöhnen, bei Durst Wasser zu trinken und andere Getränke weitestgehend zu vermeiden.

Ebenso sollte Ihr Kind ab dem ersten Lebensjahr lernen, aus offenen Gefäßen zu trinken. Saugerflaschen sollten vermieden werden und insbesondere Ihrem Kind nicht ständig zur Verfügung stehen. Auch eine nächtliche Milchflasche (Milchzucker) kann zu einer frühkindlichen Karies führen.

Um Zahnschäden durch säurehaltige Produkte zu vermeiden, sollten sie zudem darauf achten, nicht direkt nach dem Verzehr dieser Produkte die Zähne zu putzen, sondern mindestens eine halbe Stunde damit zu warten.

Ältere Kinder können auch zwischen den Mahlzeiten xylithaltige Zahnpflegekaugummis verwenden.

Bei weiteren Fragen wenden Sie sich gerne noch einmal an uns!

Prophylaxe in der Praxis

Individualprophylaxe

Um Sie in der Kariesprophylaxe Ihres Kindes unterstützen zu können, sollten Sie regelmäßig zu den Kontrollen in unserer Praxis erscheinen. Dies bedeutet ca. alle 3-6 Monate.

Wir kontrollieren hierbei den Gesundheitszustand der Zähne Ihres Kindes, können Ihnen Mundhygieneinstruktionen mitgeben und mit Ihnen Ernährungsempfehlungen besprechen.

Zudem bieten wir eine Individualprophylaxe bei Kindern ab dem 6. Geburtstag an. Hierbei werden die Beläge auf den Zähnen Ihres Kindes angefärbt, wodurch die Plaque sichtbar gemacht wird. Der Mundhygienestatus ihres Kindes wird aufgenommen, wodurch wir eine Verlaufskontrolle vornehmen können. Zudem klären wir Ihr Kind über eine bessere Mundgesundheit auf und trainieren mit Ihm das Zähneputzen und die Anwendung von Zahnseide. Im Anschluss werden die Zähne mittels eines Lackes oder eines speziellen Fluoridgels nochmal fluoridiert.

Sollte Ihr Kind stark ausgeprägte Fissuren (=Rillen) in den bleibenden Backenzähnen aufweisen, sind häufig Fissurenversiegelung empfehlenswert. Dies können wir bei den normalen Kontrolluntersuchungen begutachten und werden Sie dementsprechend darüber aufklären.

Auch professionelle Zahnreinigungen sind häufig schon bei Kindern mit vielen Belägen und Verfärbungen notwendig. Bei dieser werden dann alle Zahnoberflächen professionell gereinigt und poliert. Im Anschluss erhalten die Zähne zudem eine Intensivfluoridierung.

Fissurenversiegelung

Insbesondere die hinteren bleibenden Backenzähne (Molaren) besitzen ein ausgeprägtes Höcker-Fissuren-Relief. Als Fissuren werden hierbei die tiefen Rillen und Furchen des Zahnes bezeichnet. Insbesondere diese Fissuren stellen neben den Zahnzwischenräumen und den Zahnhälsen, also der Übergang vom Zahn zum Zahnfleisch, die Prädilektionsstellen für Karies dar. Dies liegt neben einer ggf. mangelhaften Mundhygiene insbesondere daran, dass die Fissuren oftmals so tief sind oder eine ungünstige untersichgehende Form haben, so dass die Zahnborsten gar nicht bis in die Tiefe gelangen können. So entstehen häufig in diesen Bereichen auch bei einer regelmäßigen und guten Mundhygiene kariöse Läsionen.

Um diese Fissuren zu schützen, können Versiegelungen vorgenommen werden. Hierbei werden die Zahnoberfläche und die Fissuren gründlich gereinigt, mit einer Phosphorsäure vorkonditioniert und mit einem speziellen niedrigviskösen Komposit (ein sehr fließfähiger Kunststoff) aufgefüllt. Dadurch können die Bakterien nicht mehr in die tiefen Rillen gelangen und die Zähne besser geputzt werden, sodass eine Fissurenkaries bei einer guten Versiegelung vermieden werden kann.

Die Kosten für die Versiegelungen werden bei den ersten und zweiten hinteren bleibenden Backenzähnen (bei den 6-Jahrmolaren und bei den 12-Jahrmolaren) bei ausreichender Indikation von den Krankenkassen übernommen. In manchen Fällen ist auch eine Versiegelung der kleineren Backenzähnen (Prämolaren) und der Milchbackenzähne sinnvoll. Diese müssen allerdings selber bezahlt werden.